Was du über GPT-4 wissen solltest

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Noch vor kurzem gab es keine bestätigten Informationen über GPT-4, außer dass das sehnsüchtig erwartete Mitglied der bestehenden GPT-Serie eines Tages veröffentlicht werden würde. Sam Altman, CEO von Open AI, bemerkte in einem Interview im Januar 2023, dass die meisten Informationen die im Web über GPT-4 kursieren „Bullshit“ seien. Etwa die Anzahl der Parameter oder die Leistungsfähigkeit von künftigen KI-Modellen könnten nicht durch ihn bestätigt werden. Vielmehr hinge die Veröffentlichung von GPT-4 davon ab, ob das Modell leistungsstark und sicher genug ist.

Tatsächlich schloss Open AI die Trainingsphae von GPT-4 bereits im August 2022 ab und nutzte die verbleibenden Monate bis zum Launch, um an der Sicherheit des Modells zu arbeiten.

Am 9. März 2023 verkündete Andreas Braun, CTO von Microsoft Germany, dass GPT-4 in der kommenden Woche veröffentlicht wird. Das neue Modell solle nicht nur Texte generieren, sondern auch Bilder, Videos oder Musik. Microsoft ist einer der Hauptinvestoren von Open AI, dem Unternehmen, das hinter dem Durchbruch von Generative Pre-trained Transformer (GPT) Modellen steht.

Was kann GPT-4?

Am 14. März 2023 veröffentlichte Open AI dann das mit großer Spannung erwartete Modell GPT-4. Im Developer Livestream auf YouTube demonstrierte das Unternehmen zahlreiche Anwendungsbeispiele:

  • Inhalte zusammenfassen
  • Gemeinsamkeiten von Inhalten identifizieren
  • Blogposts in ein Gedicht umwandeln
  • Bildinhalte erkennen und beschreiben, z.B. erklären, warum ein Bild lustig ist
  • Code schreiben, z.B. für einen Chatbot, der Bilder und Texte lesen kann
  • Wenn der Code eine Fehlermeldung erzeugt, kann die Fehlermeldung in GPT-4 eingespeist werden und der Code wird korrigiert.
  • Erstellen einer Webseite (HTML Code), basierend auf dem Foto eines handgeschriebenen Entwurfes dieser Webseite
  • Berechnung von Steuerschulden
  • Diese Berechnung in einem Gedicht zusammenfassen

Auf seiner Webseite nennt Open AI außerdem Wissenstransfer als einen der zentralen Vorteile des Modells. So kann GPT-4 angeblich einen Fünftklässler personalisiert in einer Vielzahl von Fächern unterrichten. Dazu passt, dass die Khan Academy GPT-4 nutzt, um eine Art automatisierten Tutor zu erstellen. Das Schreiben von Songs und Theaterstücken wird ebenfalls erwähnt.

GPT-4 ist aktuell für zahlende Benutzer von OpenAI über ChatGPT Plus (mit einer Nutzungsobergrenze) verfügbar, und Entwickler können sich auf einer Warteliste anmelden, um auf die API zuzugreifen.

Wie unterscheiden sich GPT-4, Chat-GPT und GPT-3?

Im Gegensatz zu ChatGPT (aka GPT-3.5) kann GPT-4 25.000 Wörter auf einmal verarbeiten oder generieren. Das ist 8x mehr als ChatGPT. Damit ist die Erstellung von langen Contentformaten kein Hindernis mehr. Anders als seine Vorgänger, kann GPT-4 individuelle Schreibstile erlernen und anwenden. Neu ist außerdem die Verarbeitung, Interpretation oder Klassifizierung von Bildern jeglicher Art. Diese Funktion steht jedoch nicht allen OpenAI-Kunden zur Verfügung. OpenAI testet sie zunächst mit einem einzigen Partner, Be My Eyes, einer App aus Dänemark, die blinden und sehbehinderten Menschen hilft Objekte zu erkennen.

„GPT-4 weist bei den meisten beruflichen und akademischen Prüfungen Leistungen auf menschlichem Niveau auf. Insbesondere besteht es eine simulierte Version des US Anwalts-Examen als einer der besten 10 % der Testteilnehmer.“

Open AI 2023 (Die Punktzahl von GPT-3.5 lag bei den unteren 10 %., Anmerkung d.R.)

GPT-4 kann verschiedene Argumente in einem Text besser verstehen als GPT-3.5 und überzeugte mehr Test-Nutzer als sein Vorgänger. Um dies zu erreichen, wurde das Modell mit größeren Datenmengen als GPT-1 bis 3.5 trainiert. Das Unternehmen gibt jedoch nichts darüber preis, wie GPT-4 gebaut wurde – nicht die Trainings-Datensätze, die Menge an Rechenleistung oder die Trainingstechniken. Nur eine Information ist bekannt, denn OpenAI bestätigt, dass es die Ergebnisse mit dem gleichen Ansatz wie bei ChatGPT erzielt hat, dem Verstärkungslernen über menschliches Feedback. Dabei bewerten Menschen verschiedene Antworten des Modells, um die zukünftige Ausgabe zu verbessern. GPT-4 ist die geheimnisvollste Veröffentlichung von Open AI, und markiert den vollständigen Übergang von einem gemeinnützigen Forschungslabor zu einem gewinnorientierten Technologieunternehmen.

Die Geheimniskrämerei hängt mit der wachsenden Konkurrenz zusammen. Denn obwohl GPT-4 nun der Standard sein dürfte, nach dem alle Grundlagenmodelle bewertet werden, muss es neben anderen multimodalen Modellen, einschließlich Flamingo von DeepMind, bestehen. Hugging Face arbeitet ebenfalls an einem multimodalen Open-Source-Modell, das andere kostenlos verwenden und anpassen können. Der Kampf der KI`s hat gerade erst begonnen.

„Trotz seiner Fähigkeiten hat GPT-4 ähnliche Einschränkungen wie frühere GPT-Modelle. Am wichtigsten ist, dass es immer noch nicht vollständig zuverlässig ist (es „halluziniert“ Fakten und macht Denkfehler). Bei der Verwendung von Sprachmodellausgaben ist große Sorgfalt geboten, insbesondere in Kontexten mit hohem Einsatz, wobei das genaue Protokoll den Anforderungen bestimmter Anwendungen entspricht.“

OpenAI (2023)

Eine verpasste Chance für Google

Open AI hat in den letzten Jahren große Fortschritte bei der Entwicklung von Transformer-Modellen gemacht. Dies wurde bereits durch die Erfolge von GPT-3 und GPT-3.5 unterstrichen, welche die Basis für ChatGPT und Bildgenerator DALL-E 2 sind. Die beiden Modelle haben dazu beigetragen, dass selbst Tech-Giganten wie Google und Apple ihre bisherigen KI-Fortschritte in Frage stellen.

Es ist verwunderlich, warum der Suchgigant Google nicht selbst das nächste Level der intelligenten Textverarbeitung (oder Suche) entwickelt hat. Das Unternehmen verkündete bereits im Jahr 2016, dass Nutzer bevorzugt dialogorientiert nach neuen Informationen suchen, Stichwort “conversational search”. Das Unternehmen ist außerdem der Erfinder der Transformer-Modelle und stellte diese Netzwerkarchitektur 2017 öffentlich zur Verfügung (Open Source). Google holte Versäumtes nach und veröffentlichte Anfang 2023 den ChatGPT Konkurrenten Bard. Am 6. März 2023 zog Google den Launch zurück, da die KI-generierten Texte von Bard unzuverlässige Fakten beinhalten. Inzwischen ist Bard in den USA und United Kingdom verfügbar, während alle anderen Länder noch keinen Zugriff haben.

Der Hype um GPT-Modelle einfach erklärt

Der Hype um die GPT Modelle ist einfach zu erklären. Da GPT-3 nur für ausgewählte Nutzer zugänglich war, blieb die volle “Magie” des Modells der Mehrheit verborgen. ChatGPT wurde im Dezember 2022 frei und kostenlos zugänglich gelauncht. Dies erlaubte vielen Menschen das erste Mal mit einer fähigen KI zu interagieren. Das positive Nutzererlebnis und die Zugänglichkeit wurden zu den zwei wichtigsten Erfolgsfaktoren. Das ausgerechnet kreative Aufgaben – wie die Text- oder Bilderstellung – zuerst von einer KI automatisiert wurden, dürfte einen zusätzlichen Überraschungseffekt ausgelöst haben.

Was kommt nach GPT-4?

GPT-4 hat die Erwartungen an künftige Modelle nur gesteigert. Einige der nächsten Schritte, die Open AI in Bezug auf maschinelle Textverarbeitung unternehmen könnte, sind:

  • die Steigerung der stilistischen Content-Qualität, 
  • die Bereitstellung solider Quellenangaben, 
  • die Vermeidung von Wiederholungen derselben Informationen. 

Damit wäre die skalierbare Erstellung von personalisiertem Content, etwa für Marketingzwecke denkbar. Darüber hinaus könnten die Fähigkeiten von ChatGPT auch die zuletzt schwächelnden Sprachassistenten wiederbeleben. 

Sam Altman bestätigte, dass die automatisierte Videoerstellung ein Thema ist, an dem Open AI offiziell arbeitet. Er erwähnte jedoch auch, dass mehrere andere Unternehmen ebenfalls in diesem Bereich forschen. Ein zeitnaher Launch sei daher wahrscheinlich. Open AI setzt sich hauptsächlich das Ziel, eine künstliche allgemeine Intelligenz (Artificial General Intelligence, oder AGI) zu entwickeln. 

Wir dürfen gespannt bleiben.

Bild: DALL-E 2

Tina

Tina Nord ist Marketing-Expertin, Autorin und Sprecherin. Die Kommunikationswirtin beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit Content Marketing. Seit 2016 erforscht Tina den Einfluss maschinellen Lernens auf Content und engagiert sich für die Repräsentation und Beteiligung von Frauen an der Entwicklung von KI.

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